Die Geburt eines Stils.

Der Einfluss des Basler Ausbildungsmodells auf die Schweizer Grafik

 

Alles begann mit einem Brief. Einen Brief, den ich im Jahr 2001 an den amerikanischen Professor, Kunsthistoriker und Grafikdesigner Philip B. Meggs schrieb, den Autoren von «A Hisotry of Graphic Design» dem vielleicht bedeutensten Nachschlagewerk über Designgeschichte in den Vereinten Staaten. Es ging im Brief um Grundlagen, Ursprünge und Einflüsse der neuen Grafik, die in den 1950er-Jahren von der Schweiz aus international für Aufsehen sorgte. 25 Jahre später ist daraus dieses Buch entstanden.

 

Anlass und Vernissage Mittwoch 24. Januar 2018, 18Uhr

Podium Dorothea Hofmann, Gérard Ifert, Christian Mengelt, Moritz Zwimpfer, H.-U. Allemann, Rudi Meier, Stephan Bundi, Armin Vogt

Begleitende Ausstellung bis Sonntag, 28. Januar 2018

 

Dorothea Hofmann, Die Geburt eines Stils: Der Einfluss des Basler Ausbildungsmodells auf die Schweizer Grafik, Zürich, Triest Verlag, 2016

Am Abend des 24. Januar 2018 wurde diese hervorragende Monographie im Basler RappazMuseum vorgestellt. Die Autorin schilderte die Entstehungsgeschichte ihres umfangreichen Werks (471 Seiten), an dem sie fünfzehn Jahre lang arbeitete.
Dorothea Hofmann widmete sich schon früh der Geschichte der Basler Graphik im Spätmittelalter und beschreibt die wichtigen Stationen von der Gründung der Universität 1459, über die bekannten Persönlichkeiten der Renaissance und des Humanismus, wie der  Buchdrucker Johannes Frobenius, der mit Erasmus von Rotterdam zusammenarbeitete sowie die Maler Hans Holbein der Jüngere und Albrecht Dürrer. Im 19. Jahrhundert leisteten die Zeichenschulen von Hieronymus Holzach und Heinrich Pestalozzi einen bedeutenden Beitrag zur Basler Grafikgeschichte. Im 20. Jahrhundert war es die Allgemeine Gewerbeschule, die spätere Schule für Gestaltung, die für die Entstehung des international anerkannten Swiss Designs massgeblich wurde.
Vor zahlreichem Publikum charakterisierte die Autorin mit viel Esprit die einzelnen Kapitel ihres enzyklopädischen Werks; das zahlreiche, aus der deutschsprachigen Schweiz angereiste Fachpublikum diskutierte anregend über die Entwicklung und Praxis des Basler Designs im 20. Jh. und verglich diese beinahe historisch wirkende Zeit mit der Gegenwart: Angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierung stand das Computerwesen denn auch im Mittelpunkt der Diskussionsbeiträge: so wurde der Computer als ein auf die Zukunft gerichtetes Werkzeug charakterisiert, mit dem sich fast alles machen lässt, allerdings unter der unabdingbaren Voraussetzung des Erlangens von  handwerklichem Rüstzeug und theoretischer Grundlagen, kurz: von Fachwissens, ohne das sich keine qualitativ befriedigenden Resultate erzielen lassen. Die engagierten Diskussionsbeiträge machten den Abend zum Ereignis. Einzig befremdend wirkte, dass bei der Buchpräsentation am „Geburtsort feiner Gebrauchsgrafik“, wie es ein deutscher Fachkollege formulierte, kein Vertreter der heutigen Basler Ausbildungsstätten und Fachverbände teilnahm.
Dorothea Hofmann konzipierte überdies eine kleine, jedoch exquisit ausgewählte Plakat- und Buchausstellung, welche das Swiss Design des 20. Jahrhunderts repräsentierte.

Fotos: Ute Schendel